An essay by Mercedes A. (In both English and German.)
Forgiveness is learned early in life when, as children, our parents overlook an offense or forgive our breaking an expensive or beloved object. They are the first to teach us how it feels to receive loving forgiveness and unconditional acceptance from those we hold dearest. We learn that we can begin again with a "clean sheet." We also learn from our church, temple, or synagogue that God forgives and nothing brings us closer to Him than acknowledging our sins, faults, and shortcomings.
My first experience in self-forgiveness was at the tender age of 26, walking home from work, deep in contemplation and regret at my failed marriage and seeing, in retrospect, all the signs that this marriage was the wrong choice for me. My thoughts turned to other friends who had also divorced and I evaluated in my mind which of the two was at fault. In my thoughts I realized that both were at fault and that we all make mistakes.
This last thought "we all make mistakes" kept playing over and over in my mind. At last a light bulb went off in my mind as I concluded that, if we can forgive others for their faults, surely we can forgive ourselves! I knew the failure of my marriage was also my fault and decided at that moment to forgive myself and stop beating myself up over it.
Years later when I attended a conference for families of children with disabilities, I sat in a session describing developmental delays in children (where I first met Dr. Clayton). It seemed they were describing my own child item by item. However, the description was of a child born with FAS/FAE. I went over in my mind over and over again my pregnancy and realized that I did drink while I was pregnant. But it had never before occurred to me that I could have caused my child's developmental delay.
Once again I was faced with guilt, regret, anger, and denial over how my child had gotten such a slow start in life. It was certainly not his fault, and it was not a childhood he deserved. Finding out that in all probability I had caused it could have devastated me and paralyzed me emotionally.
As his mother, I had to make a conscious decision to either wallow in guilt and despair or face it head on and deal with it. I had caused in my child a preventable disability! Of course the first step, hard as it was, was to forgive myself, I had made a very serious life-altering mistake. One my child and I both had to live with. But there was no going back in a time machine to undo the damage and there was no point in punishing myself.
Once I decided to forgive myself (whether others did or not was not important) in order to go on with my life and my son's, I came to the following conclusions:
I am lucky because some parents never find out what caused their child's disability and just knowing he has FAS/FAE gave me a tool for seeking therapy and educational approaches that address his specific strengths and needs;
I became an advocate for my son at school and in our neighborhood, opening doors for his success in education, employment and in life;
I decided to get used to glances from people who invariably judge and blame me for a mistake I made many years ago. I decided their opinions would be only that, "their opinion" because I had already forgiven myself;
finally, I sought out parent support groups so that I could get the strength, understanding, and acceptance I need.
Parents who raise children with Fetal Alcohol Syndrome or Fetal Alcohol Effects, learn to understand and accept our children just as they are and for what they can become.
Forgiving yourself for having caused your child's disability is the first and most important step towards healing your heart and will free you for the task at hand -- raising this wonderful special child.
German Translation
Man lernt sehr früh im Leben zu verzeihen. Unsere Eltern übersehen eine Ungezogenheit oder verzeihen uns, wenn wir ein geliebtes oder teures Objekt zerstören. Sie sind die Ersten, die uns beibringen, wie es ist, liebevoll zu verzeihen und bedingungslose Akzeptanz zu erhalten von denen, die uns am meisten bedeuten. Wir lernen, mit einer “Tabula rasa” wieder anzufangen. Wir lernen auch in der Kirche, im Tempel oder in der Synagoge, dass Gott verzeiht und nichts bringt uns ihm näher, als ihm unsere Sünden, Fehler und Unzulänglichkeiten zu offenbaren.
Das erste Mal als ich mir selbst um Verzeihung bat, war im jungen Alter von 26 Jahren. Ich lief von der Arbeit nach Hause, tief in Gedanken versunken und voller Selbstvorwürfe über meine, in die Brüche gegangene, Ehe. Im Nachhinein sah ich, dass meine Entscheidung, diese Ehe einzugehen, für mich falsch gewesen war. Meine Gedanken kreisten um andere Freunde, die sich ebenfalls hatten scheiden lassen und ich überlegte, welche der beiden Ehepartner Schuld an der Scheidung gehabt hat. Ich stellte fest, dass beide Schuld hatten und, dass wir alle Fehler machen. Dieser letzte Gedanke “Wir machen alle Fehler” blieb hängen. Zu guter letzt ging mir ein “Lämpchen” auf und ich beschloss, wenn wir anderen ihre Fehler verzeihen, wir doch sicher uns selbst verzeihen können! Ich wusste, dass auch ich Schuld hatte an meiner Scheidung und beschloss, in diesem Augenblick, mir selbst zu verzeihen und aufzuhören mich weiterhin über meine Scheidung verrückt zu machen.
Jahre später, als ich an einer Konferenz für Familien von behinderten Kindern teilnahm (wo ich Dr. Clayton zum ersten Mal begegnete), wurden Kinder mit Entwicklungsstörungen beschrieben. Sie schienen mein eigenes Kind Zug um Zug zu beschreiben. Allerdings war es die Beschreibung von einem Kind mit FAS/FAE. Ich dachte immer wieder zurück an meine Schwangerschaft und ich stellte fest, dass ich Alkohol getrunken hatte während ich schwanger war. Es war mir aber nie bewusst gewesen, dass ich dadurch die Entwicklungsstörung meines Kindes verursacht haben könnte. Auch nun war ich voller Schuld, Selbstvorwürfe und Wut. Ich wollte nicht wahr haben, dass ich diesen überaus langsamen Start meines Kindes im Leben selbst verursacht hatte. Es war sicherlich nicht seine Schuld und es war nicht die Kindheit, die er verdient hatte. Herauszufinden, dass ich mit aller Wahrscheinlichkeit dies verursacht hatte, hätte mich am Boden zerstören und emotional erstarren lassen können.
Als seine Mutter musste ich eine wohlüberlegte Entscheidung treffen: entweder im Selbstmitleid zerfließen oder der Sache in die Augen schauen und angehen. Ich hatte eine vermeidbare Behinderung meines Kindes verursacht! Natürlich war der erste Schritt, wie schwierig dieser auch war, mir selbst zu verzeihen.
Ich hatte einen schwerwiegenden Fehler, der ein Leben verändert hatte, begangen. Einen mit dem beide, mein Kind und ich, zu leben hatten. Aber es gab kein zurück mehr, um den Schaden zu beheben und es ergab keinen Sinn, mich selbst zu bestrafen.
Nachdem ich beschlossen hatte, mir selbst zu verzeihen (unabhängig davon, ob andere dies taten oder nicht), damit mein Sohn und ich weitermachen konnten mit unserem Leben, kam ich zu folgenden Feststellungen:
(1) Ich habe das Glück, herausgefunden zu haben, was die Behinderung meines Sohnes verursacht hat und zu wissen, dass er FAS/FAE hat. Dies hat mir ermöglicht, Therapie und Lernhilfen zu suchen, die seine Stärken und Schwächen berücksichtigen.
(2) Ich wurde zur Befürworterin für meinen Sohn in der Schule und in unserer Umgebung und ich ermöglichte so seine Erfolge in der Schule, im Beruf und im Leben.
(3) Ich beschloss, mich daran zu gewöhnen, schief angeschaut zu werden von Leuten, die mich undifferenziert verurteilen und mir die Schuld zuweisen, für einen Fehler, den ich vor vielen Jahren machte. Ich beschloss, dass ihre Meinung nur “ihre Meinung” sein würde, denn ich hatte mir bereits verziehen.
(4) Schließlich suchte ich nach Selbsthilfegruppen für Eltern, damit ich die Stärke, das Verständnis und die Akzeptanz finden würde, die ich brauchte.
Eltern, die Kinder mit FAS/FAE erziehen, lernen ihre Kinder zu verstehen so wie sie sind und zu akzeptieren, was aus ihnen werden kann. Dir selbst dafür zu verzeihen, dass Du die Behinderung Deines Kindes verursacht hast, ist der erste und wichtigste Schritt, um Dein Herz zu heilen und es wird Dir die Stärke geben für die anstehende Aufgabe – dieses wundervolle und besondere Kind zu erziehen.
aus dem Amerikanischen übersetzt von Veerle
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